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Freitag, 12. April 2013

Marc Gore: The Terror Compilation



Manche Autoren wählen ihr Pseudonym mit Bedacht. Auch hier heißt es: Nomen est Omen. Der geneigte Leser kriegt das geboten, was der Name verspricht: Gore. In diesem Fall Marc Gore. Wer gerne mehr über den Autor erfahren möchte, dem lege ich nahe, dass Interview zu lesen, das Constantin Sauff für Die Loge mit ihm geführt hat. (Auch sonst ist die Seite gerade wegen der Interviews sehr zu empfehlen.) 

"The Terror Compilation" ist eine Storysammlung mit sechs Geschichten, die allesamt in den Jahren 2010 und 2011 entstanden sind. Die erste und längste ist "Monster Squad". Es handelt sich hierbei um eine chrom- und testosterongeschwängerte Hommage an Filme von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino. Ein beinharter Trucker hilft im Süden der USA einer schönen Latina, die auf der Flucht vor ihrem Verlobten, einem mexikanischen Gangsterboss, ist. Der besitzt auch noch schwarzmagische Kräfte und befehligt eine ganze Zombiearmee. Die nächsten fünf Stories sind um einiges kürzer. - "Psycho Route 666" erzählt von einem Serienkiller, der seit geraumer Zeit auf seinen Touren die Route 66 entlang seine weiblichen Opfer sucht. Diesmal scheint er aber an die Falsche geraten zu sein. - "The Terror of Alabama" ist eine typische Slasher-Story. Eine Gruppe Jugendlicher verirrt sich in einem Wald und wird von einer degenerierten Redneck-Familie niedergemetzelt. - "Creature in the Cellar" stellt ein neunjähriges Mädchen in den Mittelpunkt, dessen Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind und die nun bei ihren bösen Stiefeltern leben muss. Neben körperlicher Gewalt ist das größte Druckmittel der Stiefeltern das "Monster im Keller". Aber für wen das erfundene Monster am Ende gefährlicher ist, wird sich zeigen. - "The Butterfly Ladies" ist eine Vampirstory. Ein Schmetterlingsforscher bringt sogenannte Schmetterlingselfen aus Schottland mit in sein Haus. Diese gefährliche Vampirart wird durch einen Bann in seinem Arbeitszimmer gefangen gehalten. Seine allzu neugierige Haushälterin stellt ein Problem dar: Was passiert, wenn sie aus Versehen oder absichtlich den Bann löst? - Und die letzte Geschichte trägt den Titel "Alien Carnage". Einem Forscher gelingt es, eine Maschine zu konstruieren, die es ermöglicht für kurze Zeit außerirdische Wesen auf der Erde zu materialisieren. Mit Hilfe dieser nicht unbedingt freundlich gesinnten Wesen schafft er sich einen Nebenbuhler aus dem Weg. Die Frage ist, ob er auch wirklich alle Eventualitäten bedacht hat.

Mittwoch, 10. April 2013

Edward Lee: Innswich Horror



Edward Lee ist also der erste Autor von dem hier ein zweites Werk von mir besprochen wird. "Haus des bösen Blutes" ist bei mir eigentlich recht gut angekommen. Nun also "Innswich Horror", 2012 bei Voodoo Press und nicht wie später üblich, bei Festa erschienen. Der Titel und auch das Titelbild von Christian Krank legen schon nahe, dass der Roman im "Lovecraftschen Universum" angesiedelt ist. Und richtig: Es handelt sich um eine Hommage an H. P. Lovecrafts "Schatten über Innsmouth". 

1939, zwei Jahre nach dem Tod seines Idols H. P. Lovecraft, macht sich der schwerreiche Foster Morley von Providence aus auf den Weg, um mit einer Busfahrt den Spuren seines Vorbilds zu folgen. Er fährt die gleiche Strecke, die  Lovecraft vermutlich auch gefahren ist, als er für seine Geschichte "Schatten über Innsmouth" recherchiert hat. Für ihn überraschend, hält der Bus in dem, auf keiner Landkarte verzeichneten Ort Olmstead. Überraschend deswegen, weil in den Notizen Lovecrafts angeblich Robert Olmstead der Name des in der fertigen Story namenlosen Protagonisten von "Schatten über Innsmouth" ist. Er findet schnell heraus, dass Lovecraft in der Stadt gewesen ist. Außerdem scheint der Ort sehr fruchtbar zu sein. Fast jede  Frau, die er trifft, ist schwanger. So auch Mary, die er in einem Laden kennen lernt und die ihm sofort gefällt. Von Mary erfährt er, dass ihr Bruder Lovecraft damals durch den Ort geführt hat und ein Fotograf namens Cyrus Zalen noch Fotos von Lovecraft haben könnte. Dieser Zalen entpuppt sich als äußerst dubios und nährt mit seinen Andeutungen immer mehr den Verdacht, der in Foster Morley aufkeimt: Olmstead ist das Vorbild für Innsmouth und die Vorfälle, die Lovecraft in der Erzählung beschreibt, sind vielleicht nicht nur seiner Phantasie entsprungen. 

Edward Lee versucht sich also an einer möglichen Erklärung, wie "Schatten über Innsmouth" entstanden sein könnte. Natürlich ist es eine Erklärung, die dem Genre angemessen ist. Der Roman schafft durchaus so etwas wie "Lovecraftsche Atmosphäre". Da ist ein gebildeter Ich-Erzähler, der plötzlich in eine Situation gerät, die er sich weder in seinen wildesten Alpträumen vorgestellt hat, noch hat er auch nur den Ansatz einer Erklärung für die unerklärlichen Geschehen um sich herum. Wie bei Lovecraft wird  das Grauen eher  langsam aufgebaut. Die Stimmung wird immer bedrohlicher.

Man merkt, dass Edward Lee ein profunder Kenner von Leben und Werk HPLs ist. Aber Edward Lee versucht nicht Lovecrafts Stil zu kopieren, sondern er transponiert  ihn in einen modernen Horrorroman. Natürlich gibt es Lee-typische Gewalt- und Sexdarstellungen, diesmal aber eher dezent und bei weitem nicht so plakativ wie in seinen anderen Werken. 

Edward Lee hat mich einmal mehr überrascht. Er versteht es wirklich so zu schreiben, dass man von seiner Geschichte gefesselt ist. Mit diesem Buch hat er einen Roman geschaffen, der sowohl hartgesottenen Lee-Fans als auch traditionellen Lovecraft-Anhängern gefallen könnte (wobei das eine das andere keinesfalls ausschließt, wie der Verfasser dieser Zeilen beweist). Jeder, der denkt Lee könnte nur Ekel und Schock, sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Und noch einen anderen Nebeneffekt hat das Buch. Es macht unheimlich Lust, mal wieder etwas vom guten alten H. P. Lovecraft in die Hand zu nehmen. Ich habe gleich mal die Hörspieladaption von "Der Schatten über Innsmouth" aus der Reihe Gruselkabinett geordert. 

Fazit: Lovecraft-Hommage mit Bezug zu "Schatten über Innsmouth". Es gibt eigentlich nix zu meckern. Gutes Buch. Lesen!

Edward Lee: Innswich Horror
Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke
Titelbild: Christian Krank
Voodoo Press, August 2012
179 Seiten
12,95 €
ISBN: 978-3902802149

Freitag, 5. April 2013

Rona Walter: Kaltgeschminkt




Gleich drei Romane aus dem Luzifer Verlag sind in der Kategorie Bester Roman 2012 für den Vincent Preis, den deutschen Horrorliteraturpreis, nominiert. Neben dem von mir schon besprochenen "Graues Land- Die Schreie der Toten" und Vincent Voss' "172,3" (letztes Jahr noch in Prä-Blog-Zeiten gelesen) auch der Debütroman der Autorin Rona Walter, "Kaltgeschminkt". Ich-Erzähler des Romans ist Harris McLiod, ein junger Schotte, der kurz vor Abschluss seiner Bestatterlehre einen bewusst herbeigeführten Totschlagsanschlag knapp überlebt. Nicht ohne vorher noch im Jenseits vor eine weitreichende Entscheidung gestellt zu werden. Im Gegensatz dazu wird sein Lehrherr umgebracht. In einem einsamen Manor führt McLiod nun sein eigenes Bestattungsunternehmen bis eines Tages James Beastly vor seiner Tür steht. Einer seiner Vorgänger bei seinem alten Lehrmeister. Dieser nimmt ihn mit nach Hamburg, weil er denkt, dass McLiod der einzige ist, der ihm bei einem besonders schweren Fall helfen kann. In Hamburg angekommen verfällt er sogleich der schönen Partnerin Beastlys, Rachelle Hammerstein. Nur das sie nicht einfach nur eine schöne Frau zu sein scheint, sondern ein anderes Wesen... Auch der Auftrag Beastlys scheint mehr zu sein, als es den Anschein hat. Vielmehr geht es darum, dass McLiod der mögliche Nachfolger Beastlys ist, der für dubiose Auftraggeber frisch Verstorbene auf eine spezielle Art für die letzte Reise vorbereiten soll...

"Kaltgeschminkt" ist vor allem eins: originell. Hier wird mal ein Plot jenseits ausgetretener Pfade entwickelt. Keine Zombies, keine Vampire, keine wahnsinnigen Serienkiller. Nein, man bekommt es mit Blutfeen und einer interessanten Jenseits-Mythologie zu tun, die ihre Wurzeln wohl in der schottischen Sagenwelt haben. Da macht es sich bemerkbar, dass die Autorin gebürtige Schottin ist. Der Protagonist ist kein strahlender Held, sondern eher das Gegenteil. Ein depressiver Loser, der weinerlich ist und einem mit seiner gestelzten Ausdrucksweise gehörig auf den Sack gehen kann. Bestatter als Hauptfiguren in unheimlichen Romanen scheint gerade ein kleiner Trend zu sein. Auch in Markus Heitz "Oneiros" ist der Protagonist einer, dieser passt aber eher in Kategorie"strahlender Held". Ein für den Gruselbereich interessanter Berufszweig, der in der Vergangenheit viel zu selten beachtet wurde. Da lassen sich bestimmt noch andere interessante Geschichten zusammenspinnen.

Donnerstag, 4. April 2013

Michael Siefener: Der schwarze Atem Gottes




Horror-Romane die in der Frühen Neuzeit spielen, gibt es nicht allzu viele. Dabei bietet sich dieses Zeitalter doch geradezu an. Was, wenn an Hexerei- und Teufelswerk-Geschichten doch etwas dran ist, wenn wirklich finstere, dämonische Mächte versucht haben in jenen Zeiten die Kontrolle über die Welt zu erlangen. Durchaus Möglichkeiten die kreative Leute interessieren könnten. Stattdessen benutzen die meisten Autoren ihre Phantasie um das Mittelalter so realistisch wie möglich darzustellen (in ihren Augen jedenfalls) und schmücken ihre Geschichten eher mit unrealistischen Liebesgeschichten a la "Die Wanderhure" als mit möglichen phantastischen Elementen.


Michael Siefener versucht sich in "Der schwarze Atem Gottes" aber an einem phantastischen Mittelalter-Roman. Der Roman spielt im ausgehenden 16. Jahrhundert und die Protagonisten sind, wie es sich für einen Genre-Roman der in dieser Zeit spielt, gehört, Mönche. Der Hexenschnüffler Pater Hilarius, der zusammen mit zwei benediktinischen Mitbrüdern, Martin und Suitbertus, im Auftrag der heiligen Inqisition unterwegs ist, wird von Schergen des Grafen Albert von Heilingen angegriffen und gelangt später auch in die Gewalt des Grafen. Ihm wird mitgeteilt, dass er eine herausragende Rolle in der bevorstehenden Apokalypse haben wird, die vom schwarzen Atem Gottes ausgehen wird. Bruder Martin versucht dem Pater zu helfen und bekommt bei der Verfolgung des Paters Unterstützung von einer Straßendirne, einem undurchsichtige Gaukler namens Federlin und einer vagabundierenden Schauspielertruppe. Nach einer lngen Reise aus dem Frankenland wird sich dann im Prag Rudolph II. das Schicksal der Menschheit entscheiden.

Freitag, 8. März 2013

Michael Dissieux: Graues Land - Die Schreie der Toten


"Die Schreie der Toten" ist die Fortsetzung von des 2011 erschienen Romans "Graues Land". Aber ich versuche es mal als eigenständiges Wek zu bewerten. Die Handlung beginnt 14 Tage nach dem Beginn des Endes der Welt. Die meisten Menschen sind tot oder haben sich in seelenlose Kreaturen verwandelt, die Jagd auf die Überlebenden machen. Der 13-jährige Daryll hat erst seine Familie und dann seine letzte noch verbliebene Freundin verloren und macht sich auf den Weg seine Heimatstadt Devon zu verlassen. In der Nähe der Stadt trifft er zwei weitere Überlebende, die ungefähr gleichaltrige schwer verletzte Demi und den alten verschrobenen Ladenbesitzer Murphy. Kurze Zeit später kommt auch noch Jim, Wulf genannt, dazu.. Alle vier haben so ziemlich alles, was ihnen lieb und teuer war, verloren. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise. Ihr Ziel ist ein Militärstützpunkt, wo sie weitere Überlebende erhoffen.

Das Buch beginnt gleich mit einem Paukenschlag. Wie Daryll seine Freundin Mary Jane verliert und somit den letzten menschlichen Bezugspunkt, den er noch in seiner Heimatstadt hat, versetzt den Leser sofort in eine negative, fast schon deprimierende Grundstimmung. Dadurch dass Daryll kurze Zeit später neue Gefährten findet und die Gruppe durchweg aus Sympathieträgern besteht, keimt durch die negative Stimmung hindurch so etwas wie Hoffnung auf. Demis Zustand bessert sich und die vier bilden eine Art Ersatzfamilie. Es gibt zwar immer wieder Rückschläge, aber der wachsende Zusammenhalt bringt etwas Farbe in das Grau der Welt. So kumulieren sich dann bis kurz vor Ende des Romans die positiven Ereignisse, so dass der Leser immer mehr Hoffnung auf eine bessere Zukunft erhält. Ob dieses Versprechen am Ende eingelöst wird oder der Mann mit dem Hammer kommt. Lest selber.

Dienstag, 5. März 2013

Daniel Djurin-Markovich: Wurdulac, Band 1 + 2



Allerlei fiese Geschöpfe tummeln sich im Sibirien der Mitte des 20. Jahrhunderts. Da sind zum einen die titelgebenden Wurdulac, riesige fledermausähnliche schwarze Wesen, die sich von menschlichen Blut ernähren. Gleichzeitig sind sie die Schöpfer von Odoroten, vormals Menschen, die von den Wurdulac in zombieeske Wesen verwandelt worden sind, die nun auch nach Blut gieren. Dann gibt es noch die Enok, die in gewisser Weise auch durch die Wurdulac zu dem wurden, was sie sind. Recht große weiße menschenähnliche Geschöpfe, die aber diesmal nicht auf menschliches Blut sondern eher auf menschliches Fleisch stehen.

Die eigentliche Handlung, die nach einem kurzen Prolog einsetzt, beginnt in einem Gulag. Peter McCoy, Alan Montgomery-Young und Michael Dean Walker, drei Amerikaner, die nach einer gescheiterten geheimdienstlichen Mission in das Lager deportiert worden sind, schaffen es, während der Wirren eines nächtlichen Wurdulac-/Odoroten-Angriff zu fliehen. Der sadistische Lagerkommandant Wolkow entkommt diesem Angriff aber auch und heftet sich mit den wenigen übriggebliebenen Soldaten an ihre Fersen.

Nach dem Ausbruch werden auch noch die restlichen wichtigen Figuren in die Handlung eingeführt. Das ist zum einen Sergej Azew, ein Priester mit Geheimdienstvergangenheit, der in Sibirien untergetaucht ist. Er hilft den drei "Amerikanski" bei ihrer Flucht und nimmt sie mit in sein Dorf, wo auch noch seine Tochter Kyra, in die sich Michael gleich Hals über Kopf verliebt und sein stummer Kumpan Kuang Tse, ein verstoßener Samurai, ein Ronin, in den Lauf der Geschichte eingeführt werden.

Montag, 25. Februar 2013

C. H. Illmann: Das Haus am Park



Das Haus am Park ist eine Novelle. Da die Geschichte selbst für eine Novelle recht kurz ist, gibt es in dem Band als Zugabe noch zwei Kurzgeschichten. Eine vom Autor der Novelle C. H. Illmann, Lazarus, und eine vom Herausgeber Niels Rudolph, Kopfkino. Das Buch ist das Debütwerk des Autors und eine unabhängige Veröffentlichung bei Amazons Print-on-Demand-Service Create Space.

Der Ich-Erzähler Illmann, ein Schriftsteller mit Schreibblockade, erwirbt eine alte, an einem Park gelegene Villa, die voll mit altem Plunder steht. Der Leser erfährt recht schnell, das mit dem Haus irgendetwas nicht stimmt, als in einer kurzen Sequenz, die Erzählperspektive geändert wird. Der Schriftsteller jedoch merkt erst einmal nur, dass seine Schreibblockade weg ist. Er schreibt wie in Trance recht brutale Szenen von Verbrechen, denen vor allem Personen aus seinem Umfeld zum Opfer fallen. Nur gehen diese Schreibanfälle mit Fällen von Amnesie einher. Und er ist sich nicht mehr sicher. Hat er pure Fiktion aufs Papier gebracht oder dokumentiert er die Realität?

Der lockere Schreibstil Christoph Herbert Illmanns hat mich gleich zu Beginn für die Novelle eingenommen. Diese Lockerheit im Stil geht zwar im Laufe der Geschichte etwas verloren, was aber dem Zustand des Erzählers geschuldet und somit mehr als plausibel ist.

Samstag, 23. Februar 2013

Fay Winterberg: Wien, Stadt der Vampire




Wieder so ein Buch vor dessen Lektüre ich ein wenig Bauchweh hatte. Gelindert wurde es aber durch die anderen beiden Bücher aus dem Startprogramm des Art Skript Phantastik Verlags, die ich vorher gelesen hatte. Doch rein vom Gefühl her zähle ich mich nicht unbedingt zur Zielgruppe des Romans, der der erste Band einer auf acht Bände konzipierten Reihe sein soll, wie ich dem Blog der Autorin (http://winterberg.blogspot.de/) entnehmen konnte. Die Reihe trägt den Namen New-Steampunk-Age.

Worum geht es: Das Buch spielt im Jahr 2207. Gegen Ende des 21. Jahrhunderts haben die Vampire, durch das Outing eines Einzelnen, ihre Geheimhaltungsstrategie den Menschen gegenüber fallen lassen müssen. Nach der Offenbarung der Existenz der Vampire ist es zunächst zu einem Krieg zwischen den Menschen und ihnen gekommen. 2100 wurde dieser beendet und fortan leben Menschen und Vampire (und dazu noch einige andere Mythen-Wesen, die sich nach dem Vorbild der Vampire zu erkennen gegeben haben) in einer mehr oder weniger friedlichen Ko-Existenz.

Donnerstag, 21. Februar 2013

D. J. Franzen: Kaltes Land (Armageddon, die Suche nach Eden 6)



Kaltes Land ist der sechste Band der auf 12 Bände angelegten Dystopie- bzw. Zombie-Serie Armageddon, die Suche nach Eden, die im Begedia Verlag erscheint. D. J. Franzen, der die Serie konzepiert, ist auch der Autor von Kaltes Land. Seine Mitstreiter bei der Serie sind Ben B. Black und Dave Nocturn.

In den ersten Bänden begann die Zombieapokalypse und eine Gruppe Überlebender, die auf dem Weg von Köln nach Bonn langsam anwuchs, ist auf der Suche nach Eden, eine Art Refugium der Menschen, wo man angeblich geschützt vor den Zombies leben kann. In Band 6 nun kommen die Pilger, so nennt sich die Gruppe, an die Grenzen des Dorfes Schwarmstein. Auch hier gibt es hauptsächlich nur Überlebende. Das Dorf hat sich von der Außenwelt abgeschottet und durch ein diktatorisches Herrschaftssystem und eine funktionierende Bürgerwehr bisher jeden Angriff der Zombies abgewehrt. Die Pilger unter Führung des ehemaligen Luftwaffenoffiziers Jörg Weimer handeln mit dem Bürgermeister des Ortes aus, dass sie den Ort zwar nicht betreten , ihn aber ungehindert umfahren dürfen. Eine Panne an einem der beiden Busse der Pilger durchkreuzt diese Pläne.

Dienstag, 19. Februar 2013

Grit Richter (Hrsg.): Vampire Cocktail



Vampire Cocktail ist die erste Anthologie des 2012 neugegründeten Art Skript Phantastik Verlags. Wie der Titel nahelegt, haben die in dem Buch enthaltenen 16 Geschichten zwei Vorgaben gehabt: Vampire sollen darin vorkommen und Getränke, im besten Fall Cocktails, sollen auch eine Rolle spielen.

Nach dem Twilight-Boom der letzten Jahre habe ich persönlich immer ein wenig Angst, wenn ich ein Buch mit Vampirgeschichten in die Hand nehme. Dieser romantisierende Quatsch, der mit den Geschöpfen der Nacht dort betrieben wurde, ist mir nämlich arg zuwider. Für mich sollte ein Vampir böse sein. Ich weiß heute noch, wie ich Nächte lang nicht vernünftig schlafen konnte, nachdem ich in jungen Jahren das erste Mal Polanskis Tanz der Vampire gesehen hatte. Das ist zwar ein eher lustiger Film. Aber Graf Krolock hat meinem jugendlichen Ich richtig Angst eingeflößt.

Also habe ich die Furcht bekämpft und begonnen zu lesen. Die meisten der Autoren haben mir vom Namen her erst einmal nichts gesagt. Nur von dreien hatte ich schon mal etwas gelesen. Die Herausgeberin verspricht Abwechslung. Das hört sich schon mal gut an. Und neugierig auf (mir) unbekannte deutsche Autorinnen und Autoren bin ich allemal. Also los gehts:

Freitag, 15. Februar 2013

Richard Laymon: Night Show




Der Roman beginnt damit, dass der Leser (die Leserin) Zeuge wird, wie Tony Johnson zusammen mit zwei Freunden, seine Mitschülerin Linda, dazu nötigt die Nacht alleine in einem leerstehenden Haus zu verbringen. Natürlich soll es dort auch spuken. Aber Linda wird nicht nur erschreckt. Durch den schlechten Streich kommt es auch zu einem Unfall, bei dem sie recht schwer verletzt wird. Schnitt: Das zweite Kapitel spielt am Filmset eines Horrorfilms. Dort lernen wir Dani Larson kennen. Sie ist Maskenbildnerin und hat es in der Horrorfilmbranche schon zu ein wenig Ruhm gebracht. Beim Dreh einer Splatter-Szene funkt es plötzlich zwischen ihr und ihrem Assistenten Jack und sie beginnen eine Affäre. Kurze Zeit später wird Dani von einem jungen Mann in einem Leichenwagen penetrant verfolgt. Er gibt sich zu erkennen und würde gerne bei ihr in die Lehre gehen. Sein Hobby ist es Leute zu erschrecken. Der Leser (die Leserin) merkt schnell, dass er es mit Tony vom Beginn des Romans zu tun hat. Und Tony verhält sich wie ein typischer Stalker. Dani und Jack bekommen es langsam mit der Angst zu tun. Parallel wird auch Lindas Geschichte weitererzählt. Sie beginnt einen Rachefeldzug und will ihre drei Peiniger zur Strecke bringen.

Richard-Laymon-Bücher wirken auf mich immer wie B-Horror-Movies in Romanform. Irgendwie weiß man immer, was passieren wird. Die Frauen haben große Brüste und sind ständig geil. Die Verrückten sind eine Spur zu verrückt. Und die Akteure machen teilweise so hanebüchen unlogische Sachen, dass ich mir nur an den Kopf packen kann. Trotzdem (oder gerade deswegen) macht es oft genug Spaß, Laymon-Bücher zu lesen. Und zwar aus dem gleichen Grund, warum ich mir ab und zu Filme antue, von denen ich weiß, dass sie nicht mal in die Nähe irgendeines Filmpreises kommen werden. Es ist einfach gute, schnörkellose Unterhaltung.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Dean Koontz: Schwarze Fluten


„Schwarze Fluten“ ist der nunmehr fünfte Roman um Odd Thomas, dem Grillkoch, der die Geister toter Menschen sehen kann. Diesmal ist er zusammen mit Annamaria, der Glockendame, zu Gast auf Roseland, einem Anwesen, das in den 1920er Jahren von einem Zeitungs- und Filmmagnaten erbaut wurde. Annamaria hat auf den jetzigen Besitzer Noah Wolflaw soviel Eindruck gemacht, dass er sie entgegen seiner üblichen Gepflogenheiten spontan zu sich eingeladen hat und die beiden im Gästeturm des riesigen Luxusanwesens untergebracht hat. 

Odd Thomas trifft in Roseland den Geist einer jungen Frau auf einem Pferd. Sie versucht ihn dazu zu bringen einem (vermutlich ihrem) Kind zu helfen. Auch Annamaria ist überzeugt, dass es Odds Aufgabe ist, jemanden in Roseland zu retten. Aber auch andere seltsame Dinge geschehen auf dem Luxusanwesen. Ab und an scheinen sich dort zwei Zeitebenen zu überlappen und es wuseln allerlei seltsame Kreaturen umher, die den jetzigen Bewohnern Roselands nicht unbedingt freundlich gesonnen sind. Trotz aller Widrigkeiten (er entkommt nur knapp einer Horde oben genannter Kreaturen und auch die Bediensteten Noah Wolflaws sind nicht unbedingt erfreut über seine Anwesenheit) findet Odd Thomas im Haupthaus einen Jungen, der dort festgehalten wird. Beim Versuch ihm zu helfen, entdeckt er noch einige andere, zum Teil sehr schreckliche, Geheimnisse Roselands und befindet sich plötzlich, nicht nur von einer Seite aus, in akuter Lebensgefahr. 

Die Geschichte wird aus der Sicht des Protagonisten geschildert. Odd Thomas nennt das Buch selbst einen Teil seiner Memoiren (dafür das im Grunde genommen nur die Ereignisse eines einzigen Tages auf 400 Seiten geschildert werden, müssten die gesamten Memoiren fast schon biblische Ausmaße annehmen). Es gibt in einigen Nebensätzen immer mal wieder Seitenhiebe gegen kulturelle Plattheiten des Lebens (insbesondere des Kabelfernsehens) und pauschale Politikerbeschimpfungen. Das soll dem Buch anscheinend einen lockeren Ton bzw. eine humorvoll-jugendliche Note geben. Odd Thomas ist schließlich während der Ereignisse des Buches erst 21 Jahre alt. Das gelingt nicht immer, stört aber auch nicht besonders. 

Sonntag, 3. Februar 2013

Justin Cronin: Die Zwölf



In der BRIGITTE (ja, ab und zu blättere ich darin rum) habe ich von der Legende der Entstehung der Passagen-Trilogie gelesen. Justin Cronins Tochter fragte ihren Vater, warum er denn nicht eine Geschichte über ein Mädchen schreibt, dass die Welt rettet. Dann setzte er sich an den Schreibtisch und begann die Passagen-Trilogie zu schreiben. Der erste Band, DER ÜBERGANG (THE PASSAGE) wurde ein Riesenerfolg, die Filmrechte gingen schon lange vor Erscheinen für weit über eine Million Dollar an 20th Century Fox und Ridley Scott ist als Regisseur für die Verfilmung im Gespräch. Sogar in Deutschland gab es eine gebundene Ausgabe bei einem großen Verlag (Goldmann/Random House), was in diesem Genre eigentlich sonst nur Stephen King und Dean Koontz vorbehalten ist.

Im ersten Band wird auf über 1000 Seiten die Geschichte vom Untergang der Zivilisation erzählt, der durch einen Virus ausgelöst wird, der die Infizierten in vampirähnliche Wesen verwandelt und von dem Erstinfizierten (Zero) und den direkt von ihm infizierten (Die Zwölf) verbreitet wird. 93 Jahre später ist es Amy Harper Bellafonte, die auch irgendwie mit dem ominösen Virus infiziert ist, die zusammen mit einigen menschlichen Mitstreitern versucht, die bestehende Ordnung und die Macht von Zero und den Zwölf zu brechen. Das ist natürlich grob verkürzt und wird dem Inhalt von DER ÜBERGANG in keinster Weise gerecht, aber hier geht es ja auch um den zweiten Teil:

DIE ZWÖLF (THE TWELVE) kann man grob in drei verschiedene Zeitebenen unterteilen. Der Großteil des ersten Drittel des Buches spielt in der Zeit des Ausbruchs des Virus. Die Geschichte vom Direktor der Behörde (Horace Guilder), die verantwortlich für das Projekt Noah ist, das den Ausbruch hervorgerufen hat, und einiger der ersten Infizierten (u.a. Lawrence Grey) wird erzählt. Außerdem wird der verzweifelte Kampf der Menschen, die sich sowohl vor den Virals (wie die Infizierten genannt werden) als auch vor dem Militär schützen müssen, in Einzelschicksalen beschrieben. Danach wird kurz auf die Vorgeschichte von General Vorhees, den man aus DER ÜBERGANG kennt, und einen Virals-Angriff, der später im Buch noch von Bedeutung gewinnt, eingegangen. Die letzten zwei Drittel des über 800 Seiten starken Romans spielen fünf Jahre nach den Hauptgeschehnissen des ersten Bandes der Trilogie. Ohne zu viel vom Inhalt zu verraten, sei gesagt, dass dort die Geschichte der meisten Pro- und Antagonisten aus dem ersten Band weitererzählt und natürlich auch die im ersten Drittel des Buches angefangenen Erzählstränge weitergeführt werden. Das Ende des Romans bietet für ein Trilogie-Mittelstück eine recht erfreuliche Auflösung. Trotzdem bleiben noch genug offene Fragen, die die Spannung auf den dritten Teil (THE CITY OF MIRRORS, voraussichtlicher US-Erscheinungstermin 2014) hoch halten.

Freitag, 25. Januar 2013

Mira Grant: Deadline. Tödliche Wahrheit


Seanan McGuire ist die Autorin der Fantasy-Reihe um October Daye, halb Mensch - halb Fee, deren ersten drei Bände ebenfalls bei Egmont LYX erschienen sind. Vermutlich um ihre angestammten Leser nicht zu erschrecken, hat sie sich für ihre Science-Fiction-/Horror-Werke das Pseudonym Mira Grant zugelegt. 

Die Newsflesh-Trilogie, deren zweiter Band DEADLINE. TÖDLICHE WAHRHEIT ist, spielt in den 30er und 40er Jahren des 21. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte der Geschwister Shaun und Georgia Mason. 2014 verursacht das durch eine Mutation entstandene Kellis-Amberlee-Virus eine Art Zombieapokalypse. Ganze Landstriche werden entvölkert und die Zivilisation, wie wir sie kennen, verschwindet. Das Internet bleibt bestehen und Blogger werden zu den neuen Stars des Journalismus. Shaun und Georgia Mason gründen den Blog "Nach dem Jüngsten Tag". Bei dem Blog gibt es drei Arten von Mitarbeitern: Newsies, Fiktive und Irwins. Irwins sind Action-Video-Blogger, die "im Feld" Zombies jagen und sich dabei filmen, Newsies sind die eher typischen Journalisten, die die Nachrichten aufbereiten und die Fiktiven schreiben, wie der Name schon sagt, fiktive Geschichten.

Der erste Band erzählt wie die Masons dem Präsidentschaftskandidaten Ryman unterstützen und ist eine Art Politthriller mit Zombies. Der Band wird aus der Perspektive Georgia Masons erzählt. Da diese aber im ersten Band umkommt, ist der zweite Band aus der Perspektive Shaun Masons erzählt.

Samstag, 19. Januar 2013

Jürgen Paetz: Fukishima Girl 01 - Fukushima Girl vs. Reactor Zombies



Der Fortsetzungsroman hatte seine große Zeit im 19. Jahrhundert. Anerkannte Werke der Weltliteratur wie Dickens' „Oliver Twist“ oder Dumas' „Der Graf von Monte Christo“ erschienen zuerst in dieser Form, bevor sie als kompletter Roman gedruckt wurden. Nun gibt es, vor allem im E-Book-Sektor Autoren, die diese Tradition wieder aufnehmen. Die Vorteile dieser Veröffentlichungsweise liegen auf der Hand. Es kann erstmal getestet werden, ob der Stoff ankommt und ob es sich lohnt, das Thema weiter zu verfolgen oder ob es besser ist, sich anderen Themen zu widmen. Die Nachteile sind, dass man zum einen die Leser für einen längeren Zeitraum bei der Stange halten muss und ich bezweifle, dass es in unserer schnellebigen Zeit viele Leute geben wird, die allzu lange auf die Fortsetzung einer Geschichte wollen. Zum anderen ist es schwierig bis unmöglich einen bereits veröffentlichen Handlungsstrang im Nachhinein noch zu verändern, weil man im Fortlauf der Geschichte plötzlich merkt, dass man sie vielleicht anders hätte schreiben sollen.

Jürgen Paetz scheint sich an so einer Fortsetzungsgeschichte zu probieren. Jedenfalls legen das der Titel und auch die abschließenden Worte „Hopefully to be continued“ der jetzt als E-Book und bei Create Space Independent Platform als Taschenbuch ca. 50 Seiten nahe. Die Geschichte spielt im Japan des Jahres 2020, neun Jahre nach der Katastrophe von Fukushima. Japan ist vom Rest der Welt abgeschottet, weil sich als Folge des realen Reaktorunglücks viele Bewohner in Zombies verwandelt haben, die die Zombieepidemie auch noch auf die übliche Weise weitertragen. Nur einige alte Menschen werden von den Zombies nicht angegriffen und einige junge Mädchen scheinen auch irgendwie immun gegen die Strahlen zu sein. Eines davon ist Fukushima Girl, eine Art japanisches Supergirl mit Uniform und allem Drum und Dran, deren Geschichte hier erzählt wird. Jedenfalls der Beginn ihrer Geschichte. Sie hat einen alten Mann, eine Großvaterfigur, der ihr zur Seite steht und trifft auf eine Art Schutzengel, der ihr im Kampf gegen die Zombies und andere Dämonen von da zur Seite stehen will.

Freitag, 18. Januar 2013

Marlon Baker: Kannibalen unter uns, Band II - American Diner



„American Diner“ ist der zweite Band der Trilogie „Kannibalen unter uns“. 1998 soll der erste Band „Homestay“ zum ersten Mal als DNL-E-Book in Neuseeland veröffentlicht worden und mit über 5 Millionen Verkäufen die erfolgreichste DNL-E-Book-Trilogie aller Zeiten sein. So jedenfalls sagt es die vollmundige Werbung zu dem Buch. Nun erscheint sie auf Deutsch und zwar komischerweise zuerst mit Band 2. Weil, so Marlon Baker auf seiner Website www.marlonbaker.com, „nur diese Reihenfolge Sinn macht“. Inwieweit das stimmt oder ob es nur ein Marketing-Schachzug ist, kann ich nicht beurteilen. Auch zum so erfolgreichen Original findet man wenig bis gar keine Informationen in den Suchmaschinen des weltweiten Netzes.

Aber worum geht’s: Die Familie Bacon (Vater, Mutter, 15-jähriger Sohn) zieht aus Gründen, die wahrscheinlich etwas mit dem ersten Teil der Trilogie zu tun haben, aus der Großstadt Auckland in das eher beschauliche Lyttleton. Sie beziehen ein Haus, das von den alteingesessenen Einwohnern mehr oder weniger gemieden wird – eine Art Horror-Haus. Und in diesem Haus wollen die Bacons auch noch einen Diner eröffnen, der – nomen est omen – hauptsächlich Fleisch- und Wurstspezialitäten auf der Speisekarte haben soll. Der Titel der Trilogie lässt natürlich schon vermuten, um was für eine Sorte Fleisch es sich bei den besonderen Spezialitäten des Hauses handeln könnte. Die Hauptfigur des Buches ist aber der Spross der Familie, William Bacon, ein schmächtiger Junge, der so gar nicht nach seinem eher grobschlächtigen Vater kommt, Fleisch eher verabscheut und schon beim Anblick von Blut in Ohnmacht fällt. William hat die typischen Angst und Sorgen eines Jugendlichen, der neu in eine fremde Stadt kommt und ist sich über seine sexuelle Orientierung noch im Unklaren. Um etwas Extrageld in die, durch Hauskauf und Renovierungskosten gebeutelte Kasse zu bekommen, nimmt die Familie auch noch einen deutschen Austauschschüler auf. Die beiden gleichaltrigen Jungs kommen sich schnell näher...

Der Titel der Trilogie „Kannibalen unter uns“ und die Appetizer zum Buch bei Amazon haben mich sehr neugierig auf das Buch gemacht. Ein jugendlicher Protagonist, der dem Geheimnis seiner Eltern auf die Schliche kommt und nicht weiß, was zu tun ist; das hört sich für mich erst einmal interessant an. Aber beim Lesen kam dann doch schnell die Ernüchterung. Der Roman versucht sich an mehreren Themen. Ich versuche sie mal einzeln durchzugehen. Kannibalismus – Titel und auch versteckte Andeutungen schon zu Beginn weisen schnell in diese Richtung. Aber irgendwann reicht es auch mit den Andeutungen und ich als Leser will auch anstatt des siebten vorsichtigen versteckten Hinweises, dass es endlich mal zur Sache kommt. Spukhausgeschichte – Auch hier: Türen fallen so ins Schloss und das Haus hat eine furchtbare Vergangenheit. Aber welche das ist, das wird in den 600 Seiten des Buches vielleicht in 2 – 3 kleinen Absätzen erwähnt. Coming-of-Age-Geschichte – Ein 15-Jähriger, der die Anerkennung seiner Eltern sucht, der Angst vor Mobbing in seiner neuen Schule hat, der seine ersten sexuellen Erfahrungen macht. Das alles sind Zutaten zu einem Roman, der genau meinen Geschmack treffen könnte. Nur hat das Buch einiges, was fehlt. Es ist nicht spannend genug, um ein Thriller zu sein. Es ist nicht gruselig genug, um eine Spukhausgeschichte zu sein. Es ist nicht blutig genug, um ein Splatter-Roman zu sein. Es ist viel zu klischeehaft um eine gute Adoleszenz-Geschichte zu sein.

Freitag, 11. Januar 2013

Will Elliott: Intrusion


Der australische Schriftsteller Will Elliott betrat mit dem Roman „The Pilo Family Circus“ 2006 die Bühne und gewann mit diesem gleich mehrere australische Genre-Awards. 2008 erschien die deutsche Übersetzung des Romans unter dem Titel „Hölle“ bei Piper. „Intrusion“, Originaltitel „Nightfall“, ist der Nachfolgeroman und es hat recht lange gedauert, bis dieses Buch 2012 das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Die deutsche Fassung kam meines Wissens sogar vor der australischen heraus. Im Interview mit Fantasyguide.de meinte Elliott bei der Promotour zu „Hölle“ schon: „Das Problem ist, dass ich mich wohl etwas zu weit von „Hölle“ fortbewegt habe – was bei einem Nachfolger für einen Debütroman nicht sonderlich wünschenswert ist. „Nightfall“wird eines Tages seinen Weg in den Druck machen, aber wohl nicht als nächster Roman.“ Er sollte also recht behalten.

Zu Beginn des Buches wacht Aden Keenan in einer Badewanne auf. Seine letzte Erinnerung an die Gegenwart des 21. Jahrhunderts ist, dass er sich umgebracht hat. Sonst hat er nicht sehr viele Erinnerungen an sein altes Leben. Nun findet er sich in einer Art Fantasy-Welt wieder, deren Bewohner ihm zwar merkwürdig bekannt vorkommen, doch trotzdem kann er sich vorerst noch keinen Reim darauf machen, wo er sich befindet. Komisch findet er nur, dass sein Großvater, dessen Abbild er des öfteren findet, als Gott und Schöpfer („Weltenmacher“) dieser Welt verehrt wird. Der Name dieser Welt ist „Nightfall“. Allerlei skurrile Figuren bevölkern diesen Ort. Zum Bespiel ein netter Folterknecht, der täglich ein- und dasselbe Opfer foltert, das auch noch freiwillig zu ihm kommt; oder der weltliche Herrscher, der Herzog, mit seiner Entourage, der sich für einen großen Poeten hält; Slythe, genannt der Meuchelmörder, der wie einige andere Figuren aus einem Gemälde einer Frau namens Muse ins Leben trat. Nur hat Nightfall ein großes Problem, die Welt verschwindet. Eine Barriere, die einst weit entfernt war und die Welt eingrenzt (dahinter ist das Nichts, „das Vergessen“) rückt immer näher zu dem Hauptort vor. Die Entscheidungsträger fragen sich, ob Aden die Welt vor dem Vergessen retten kann. Aden steigt nun nach und nach dahinter, dass er sich in einem Phantasiegebilde seines Großvaters befindet, der ihm einst das Manuskript eines Fantasy-Romans zu lesen gab. Nur: der Großvater lebt mittlerweile in einem Pflegeheim und leidet an Demenz.

Montag, 7. Januar 2013

Daniel Daub: Die wilde Jagd




„Die wilde Jagd“ von Daniel Daub war das erste Buch aus dem AAVAA-Verlag, das ich gelesen habe. Der AAVAA-Verlag gibt Autoren, die es bisher nicht geschafft haben bei einem großen Verlag unterzukommen, die Chance einer Veröffentlichung. Anders als die sogenannten Druckkostenzuschlag-(DKZ-)Verlage, die in fast schon krimineller Art und Weise angehende Autoren ausnutzen, ist der Service des Verlags gratis. Inwieweit es Honorare oder Gewinnbeteiligungen für die Autoren gibt, weiß ich leider nicht. Natürlich wird es in in Zeiten, wo Self-Publishing im E-Book-Bereich und in letzter Zeit durch Create Space auch im Print-Bereich Autoren fast schon kostenlose Veröffentlichungsmöglichkeit ihrer Werke bietet, für solche Verlage nicht einfacher werden. Wichtig ist jedem Fall ein vernünftiges Korrektorat und vielleicht sogar ein Lektorat, um sich von der Masse der Selbstveröffentlicher abzuheben.

Zum Inhalt: Jonathan Parker, seinem Fach skeptisch gegenüber stehender Parapsychologie-Dozent in Oxford, wird nach Uffington gerufen, weil sein Schwager dort von einem Pferd zu Tode getrampelt und seine Schwester mit einem Schock in einem nahe gelegenen Krankenhaus eingeliefert worden ist. Da außer Sergeant Mary Crawford niemand von der Polizei dem Fall ernsthaft nachgeht und die Bewohner des Dorfes Uffington offensichtlich etwas verheimlichen, macht sich Parker selbst daran, die Umstände der Tat zu ermitteln.. Einzig der Antiquar Thad Oldfield scheint Parker helfen zu wollen. Durch ihn findet er heraus, dass sein Schwager eine Affäre mit der Frau des reichsten und wohl auch mächtigsten Mannes der Gegend hatte. Und diese Jane Cunningham sieht sich jetzt auch in Gefahr. Aber wovor hat sie Angst? Vor der Rache ihres Mannes oder vor einem Jahrtausende alten Fluch? 

Freitag, 4. Januar 2013

Edward Lee: Haus der bösen Lust


Im letzten Jahr erschienen bei Festa einige Romane denen das Etikett Extrem-Horror angehaftet wurde, die dann mit Slogans der Art: „Das Heftigste, was je zu lesen war“ beworben wurden. Das ist jetzt nicht unbedingt etwas, was mich mich von vornherein anspricht. Ein guter Horror-Roman zeichnet sich für mich nicht nur durch Aneinanderreihungen von Ekligkeiten und Obszönitäten aus. Auch wenn so etwas, wenn es gekonnt gemacht ist, natürlich durchaus seinen Reiz hat. Aber anscheinend scheint solche Werbung zu ziehen. Und wenn ich einem Verlag von ganzem Herzen Erfolg und gute Verkaufszahlen wünsche, dann dem Festa Verlag. Ich habe mir von den sogenannten „Extrem-Horror-Sachen“ bisher jeweils zweimal Tim Curran und Bryan Smith und einmal Nate Southard zu Gemüte geführt. Jetzt war es also mal Zeit für Edward Lee. Anders als die drei vorher genannten veröffentlicht Lee schon etwas länger. Erste Romane von ihm stammen schon aus den 1990er Jahren und 2001 und 2003 brachte Heyne eine Übersetzung seiner Fantasyromane „City Infernal“ und „Infernal Angel“ heraus. Letztes Jahr erschienen dann sechs seiner Bücher auf deutsch. Einer bei Voodoo Press und fünf bei Festa. Die erste Festa-Veröffentlichung war „Haus der bösen Lust“ mit einer Warnung des Verlags vor überzogenen Darstellungen von sexueller Gewalt.

Zum Inhalt: Das „Haus der bösen Lust“ ist zu Zeiten vor und während des amerikanischen Bürgerkriegs Wohnsitz der Familie Gast in Tennessee, also im tiefsten Süden der USA. Harwood Gast ist ein Plantagenbesitzer, der sich in Kopf gesetzt hat, eine Eisenbahnstrecke von seinem Wohnort, der später nach ihm benannt wird, zu einer stillgelegten Munitionsfabrik nach Maxon, Georgia zu bauen. Angeblich um Munitionsnachschub für den sich anbahnenden Krieg zu gewährleisten. Seine Frau ist alldieweil sexuell äußerst umtriebig und ihretwegen werden einige Sklaven und Bahnarbeiter ihres Mannes hingerichtet. - 150 Jahre später ist das Gast-Haus mittlerweile eine Pension, die von der Familie Butler, einer ca. 65-Jährige älteren Dame mit ihren erwachsenen Kindern Lottie und Jiff, geführt wird. In diese Pension mietet sich Justin Collier ein. Er ist Bierexperte mit eigener Fernsehsendung, der zu Recherchezwecken für sein neues Buch in Gast gelandet ist. In dem Haus passieren zwei Dinge mit Collier: zum einen hat er Albträume, in denen er Geschehnisse aus der Zeit der Familie Gast in verschiedenen Rollen äußerst real miterlebt und zum anderen steigert sich seine, in letzter Zeit brach liegende Libido in ungeahnte Höhen. Er ist also spitz wie Nachbars Lumpi. Aber auch die Familie Butler ist in dieser Hinsicht nicht zu unterschätzen. Ihr sexuelles Verlangen ist ebenfalls enorm und sie zeigen es auch. Das alles scheint in der Vergangenheit des Hauses und den schrecklichen Taten ihrer Bewohner seinen Ursprung zu haben. Zu allem Überfluss verliebt sich der durch das Haus dauergeile Collier in eine Braumeisterin, die in einer Art selbstauferlegtem Zölibat lebt. Kann das gutgehen?

Dienstag, 1. Januar 2013

Anette Strohmeyer: Ondragon - Menschenhunger




Reinen E-Book-Publikationen haftet (noch?) ein Geruch des Dilettantischen an. Um es vorwegzunehmen: Dieser Roman ist alles andere als dilettantisch gemacht. Er ist erschienen bei einem Verlag namens Psychothriller GmbH, dessen Website man entnehmen kann, dass er ursprünglich als Hörbuch- bzw. Hörspielverlag gegründet worden ist, sich aber mittlerweile als reiner E-Book-Verlag versucht. Und eben der Roman „Ondragon - Menschenhunger“ war im März 2012 das erste E-Book des Verlags, dass das Licht der Öffentlichkeit erblickte.


„Menschenhunger“ ist als Auftakt einer Serie konzipiert. Paul Eckbert Ondragon, ein in Los Angeles lebender Unternehmensberater mit deutsch-schwedischen Wurzeln, ist Namensgeber und Protagonist der Serie. Sein Geschäft ist schmutzig, er arbeitet nicht immer für die Guten, sondern für diejenigen, die am meisten bezahlen und löst Probleme auch auf illegale Art und Weise. Diesmal ist er aber in einer privaten Angelegenheit unterwegs: Er ist Patient in einem, in den tiefen Wäldern Nord-Minnessotas gelegenen, von Dr. Jonathan Arthur geleiteten Luxussanatorium für psychisch Kranke, also in einer Klapse für die Reichen und Schönen dieser Welt. Dort will er sich von einer Phobie kurieren lassen. (Ich will nicht zu viel verraten, aber E-Book-Reader sind für einen Phobiker dieser Art ein Geschenk des Himmels). Parallel dazu wird in kleinen Einschüben beschrieben, wie 1835 in der gleichen Gegend der Wendigo, ein indianischer Dämon, sein Unwesen treibt. Er metzelt eine Familie nieder und durch seinen Biss verwandelt sich ein Trapper langsam in ein wendigo-ähnliches Wesen mit plötzlichem Appetit auf Menschenfleisch. Zurück zur Gegenwart (2009): Aus Gewohnheit, weil er anscheinend berufsbedingt einen mittelschweren Kontrollwahn hat, verschafft sich Ondragon durch einen Einbruch und mit Hilfe eines befreundeten Hackers Informationen zu den anderen Patienten und den Angestellten der als Lodge firmierenden Nervenheilanstalt. Er findet unter anderem heraus, dass das Hauptforschungsgebiet des Klinikleiters Kannibalismus ist und einige der Patientenakten so sehr geschützt sind, dass man nicht an sie herankommen kann. Ondragon lernt nach und nach die Mitpatienten und Angestellten der Lodge kennen und besonders Kateri Wolfe, eine Biologin indianischer Herkunft, hat es ihm angetan. Dann passiert das Unvermeidliche: In der Nähe des Sanatoriums wird eine Leiche gefunden. War es Mord? War es ein Bär? Oder... war es der Wendigo?