Donnerstag, 9. Januar 2014

Bartholomäus Figatowski (Hrsg.): Wovon träumt der Dom?



Bartholomäus Figatowski liefert mit WOVON TRÄUMT DER DOM? bereits seine vierte Regionalanthologie mit phantastischen Geschichten ab. In WENN DIE BIIKEN BRENNEN spielten die Geschichten in Schleswig Holstein, in DER BASILIKUMDRACHE im Ruhrgebiet und in NEBEL ÜBER DER NIERS am Niederrhein. Nun ist Köln also der Ort des Geschehens. Und Köln hat bekanntlich einiges an Historie, aber auch an Sagen und Legenden zu bieten. Die 12 Autorinnen und Autoren toben sich in ihren Geschichten in verschiedenen Spielarten der Phantastik aus. Aber nun erst einmal ein Überblick über die einzelnen Kurzgeschichten:

Den Auftakt macht Nina Sträter mit der Geschichte „Wichtelbräu und Heinzelkölsch“. Sie bedient sich der wohl bekanntesten Kölner Sagengestalten, den Heinzelmännchen, und verbindet diese mit der kölschen Tradition des Bierbrauens. Sträters Kurzgeschichte ist eine Fantasy-Story, die mit viel Witz überzeugt und ein gelungener Opener des Bandes ist.

Dienstag, 7. Januar 2014

Rob Zombie & B. K. Evenson: Lords of Salem



Der Filmregisseur und Musiker Rob Zombie hat sich für sein Romandebüt Unterstützung mit ins Boot geholt. B.K. Evenson, der in den USA schon für einige Genrepreise  nominiert war, ist sein Co-Autor. Natürlich ist es für den Leser schwierig einzuschätzen, was welcher der beiden  Autoren zu dem Roman dazu gesteuert hat, zumal in der Übersetzung von Marcel Häusler auch noch eventuelle stilistische Unterschiede verwässert werden. Aber das soll wohl auch so sein. Ich gehe stark davon aus, dass Rob Zombie den Plot vorgegeben hat, den Evenson, dann romantauglich in Szene gesetzt hat.

LORDS OF SALEM beginnt mit einem Prolog im Jahr 1692 zu Zeiten der  berühmt-berüchtigten Hexenprozesse von Salem (Massachusetts). Die Hexenjäger Mather und Hawthorne töten eine ganze Schar Hexen unter der Führung von Margaret Morgan, die gerade einen Säugling dem Satan geopfert haben, der das Opfer auch wahrhaftig angenommen hat. Als letzten Akt vor ihrem Tod verflucht Margaret Morgan die Nachkommen der beiden Hexenjäger. Schnitt in die Gegenwart: Heidi Hawthorne arbeitet als Radio-DJane und muss zusammen mit zwei Kollegen eine norwegische Goth-Rock-Band namens The Lords (für jemanden, der sich mit deutscher Musikgeschichte auskennt, ist dieser Bandname eher anders besetzt, sodass ich etwas schmunzeln musste, als ich mir Lord Ulli als Gothrocker vorgestellt habe) interviewen. Die Band lässt eine Schallplatte im Sender. Als diese während eines Gesprächs des DJ-Teams mit einem Historiker zu den Hexenprozessen gespielt wird, spricht die Musik besonders einige weiblichen Zuhörer an, aber auf eine Art und Weise, die den Personen in ihrer Nähe alles andere als gut tut.. Auch Heidi Hawthorne erlebt einige Veränderungen. Was passiert in ihrem Nachbarappartement und ist ihre Vermieterin wirklich die nette ältere Hippie-Dame, die sie zu sein scheint. Oder wird sie von der Vergangenheit ihres Vorfahren und dem Fluch Margaret Morgans eingeholt?

Montag, 6. Januar 2014

David Simon & Ed Burns: The Corner


Eine Frage, die ich mir zu Beginn der Lektüre dieser 800-Seiten dicken Reportage gestellt habe, war, ob es heute überhaupt noch interessant ist, zu lesen, was zwei Journalisten 1997 in den USA veröffentlicht hatten. Zumal die Geschehnisse, die sie beschreiben, das Jahr 1993 betreffen. Um die Antwort vorwegzunehmen. Es war mehr als nur interessant dieses Buch zu lesen. In seinen besten Momenten hat es mich tief berührt und mich dazu gebracht, meine eigenen Standpunkte zu hinterfragen. Was will man mehr erwarten?

David Simon, der später basierend auf THE CORNER die Fernsehserie „The Wire“ schuf und der ehemalige Polizist Ed Burns haben über ein Kalenderjahr hinweg, das Leben an einer Straßenecke in West Baltimore beobachtet. In dem Teil der Stadt wohnen hauptsächlich Afroamerikaner und der Drogenhandel ist der Hauptwirtschaftszweig. Also würden wir hier aus der Ferne sagen: ein typisches amerikanisches Großstadt-Ghetto. Simon und Burns begleiten einige der dort lebenden Personen, die natürlich alle auf irgendeine Weise mit  harten Drogen zu tun haben, sei es als Konsumenten und/oder als Dealer. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Familie McCollough, die es früher schon fast aus dem Stadtteil herausgeschafft hätte. Aber nachdem zuerst die Fran Boyd, die Mutter der Familie an der Nadel hing, riss sie ihren Mann Gary mit in den Abgrund von Drogen und Verbrechen, sodass sie später genau dort waren, wo die meisten Leute des Viertels waren. Ganz unten und immer auf der Suche nach Geld für den nächsten Schuss. Der 16-jährige Sohn, der beiden, die nicht mehr zusammen leben, DeAndre ist am Beginn einer Karriere als Straßendealer. Er und seine gleichaltrigen Freunde erliegen den Verlockungen des schnellen Geldes, das durch den Drogenverkauf zu holen ist. Aber es gibt auch Personen wie Ella Thompson, die versucht mitten im Viertel in einem Jugendzentrum, so etwas wie eine Anlaufstelle für die Kinder und Jugendlichen zu sein und mit unerschütterlichem Optimismus daran arbeitet, den Kindern andere Perspektiven zu zeigen. Aber es werden auch die Junkies gezeigt, die von AIDS und anderen Krankheiten, natürlich hervorgerufen durch jahrelangen Heroinkonsum, gezeichnet, versuchen irgendwie den nächsten Kick zu bekommen.

Freitag, 3. Januar 2014

Zoë Beck: Brixton Hill


Es gab Zeiten, da hat sich die deutsche Literatur mit aktuellen Themen beschäftigt, die auf eine gewisse Art und Weise gesellschaftlich relevant waren. Ich habe das Gefühl, dass die sogenannte deutsche Gegenwartsliteratur mittlerweile nicht mehr so sehr um solche Themen dreht, sondern eher um den Literaturbetrieb und seine Teilnehmer oder um mehr oder weniger erfolglose Literaten und ihren Versuch irgendwie über die Runden zu kommen. Zum Glück gibt es die von den Feuilletons leider immer noch belächelte Kriminalliteratur. Denn dort werden mittlerweile die Geschichten erzählt, die auch die Leser interessieren könnte, die sich nicht unbedingt nur für das intellektuelle Leben in Deutschland interessieren.

BRIXTON HILL von Zoë Beck ist so ein Roman. Im Untertitel wird er Thriller genannt. Das einzige, was man nun gegen meine vorherigen Ausführungen ins Felde führen könnte, wäre, dass BRIXTON HILL in London spielt und auf dem ersten Blick wahrscheinlich herzlich wenig mit dem heimischen Alltag zu tun hat. Das ist richtig, aber auch vollkommen egal. Denn die Themen die Zoë Beck hier aufgreift sind eigentlich universell. Und was bei einem Thriller nicht ganz unwichtig ist: auch die Spannung kommt nicht zu kurz.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Jörg Herbig: Rock'n'Roll im Blut (Fledermaus #8)


Jörg Herbigs Horror- und Phantastik-Zine FLEDERMAUS kommt nun schon zum achten Mal daher.  Es ist eines der wenigen klassischen selbstgedruckten Zines, die es im Horrorbereich noch gibt. Natürlich gibt es mittlerweile auch die digitale Ausgabe für den E-Reader. Aber es hat schon was, wenn man dieses DIN-A-5-Format in den Händen hält. Natürlich ist es nicht unbedingt mehr zeitgemäß, aber ich freue mich, wenn ich solche Druckachen mal wieder in den Händen halte.

In vorherigen Ausgaben gab es schon mehrere Stories, aber auch schon mal Gedichte und wie in der neuesten Ausgabe auch nur eine Erzählung. ROCK’N’ROLL IM BLUT ist eine Vampirerzählung. Der jugendliche Ich-Erzähler besucht, obwohl seine Eltern es nicht gerne sehen, seine Großmutter. Sein Ziel ist, seine Oma zu überreden, dass er in ihrem Haus einen Übungsraum für seine noch zu gründende Band bekommt. Aber die alte Dame hat zunächst anderes mit ihm vor. Sie hat nämlich eine Aufgabe in ihrem Wohnort, wo die meisten sie im Übrigen für verrückt halten. Und da ich schon erwähnte, dass es sich um eine Vampirgeschichte handelt, ist es nahe liegend, dass ihre Aufgabe etwas mit Vampiren zu tun hat. Ich will nicht zu viel erzählen, denn bei der recht überschaubaren Länge der Geschichte, wäre ich schnell dabei zu spoilern. Nur so viel: Ein junges Mädchen und ein grobschlächtiger Kerl namens Vlad spielen auch noch eine gewisse Rolle in der Erzählung.

Montag, 9. Dezember 2013

James Frey: Das letzte Testament der Heiligen Schrift



James Frey verursachte einen der größten Literaturskandale der USA im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends, als herauskam, dass sein vermeintlich autobiographischer Roman „A Million Little Pieces“ (TAUSEND KLEINE SCHERBEN) nicht wirklich autobiographisch, sondern wohl eher fiktiv war. Mit dem Großstadt- Roman „Bright Shiny Morning“ (STRAHLEND SCHÖNER MORGEN) rehabilitierte er sich dann bei der Literaturkritik. Sein  bislang letzter Roman, DAS LETZTE TESTAMENT DER HEILIGEN SCHRIFT („The Final Testament of The Holy Bible“, 2011) liegt nun als Taschenbuch vor, nachdem er 2012 erstmalig in Deutsch beim Verlag Haffmans & Tolkemitt erschienen ist.  Das Taschenbuch ist bei Heyne unter dem Hardcore-Label erschienen. Warum er unter diesem Label erschienen ist, ist mir schleierhaft. Es muss wohl damit zu tun haben, dass er sich mit seinen ersten Romanen den Ruf erworben hat, eine sehr drastische Sprache zu benutzen.  Aus dieser Zeit stammt wohl auch der Blurb auf dem Cover der Ausgabe: „Er schreibt härter als Don DeLillo und zorniger als Bret Eason Ellis“, stand in der ZEIT.

Was als allererstes auffällt, wenn man das Buch beginnt, ist, dass hier nicht ein Übersetzer am Werk war, sondern 13. Und Verleger Gerd Haffmans hat sich nicht irgendwen zum Übersetzen ins Boot geholt, sondern fast ausnahmslos namhafte Autoren deutscher Gegenwartsliteratur: Alexa Henning von Lange, Clemens J. Setz, Charles Lewinsky oder Juli Zeh. Aber genug des Namedroppings.  Kommen wir zum Text selbst.

Samstag, 7. Dezember 2013

Christian Sidjani: Der mittlere Turm






Es ist schwierig, das Mittelstück einer Trilogie zu besprechen, ohne zu sehr auf den Inhalt des ersten Teils einzugehen und somit potentielle Leser zu verprellen, die den ersten Teil noch nicht kennen und ihn nach der Lektüre der Rezension des zweiten Teils nicht mehr lesen wollen, da sie eh wissen, was passiert. Aber da Christian Sidjani selbst sagt: „Kenntnisse über die Ereignisse aus STILLMANNS MÜNZEN wären von Vorteil, müssen aber nicht vorhanden sein, um DER MITTLERE TURM zu verstehen.“, werde ich hier in einigen Nebensätzen auf die Handlung von STILLMANNS MÜNZEN (hier geht es zu meiner Rezension davon) eingehen. Wer davon nichts wissen möchte, sollte hier aufhören zu lesen und vielleicht noch kurz einen Blick auf das Fazit werfen.

DER MITTLERE TURM beginnt nach den Ereignissen aus STILLMANNS MÜNZEN. Es gibt einen neuen Erzähler. Das muss auch so sein, denn gleich zu Beginn erfahren wir, dass der Erzähler des ersten Teils der Trilogie, Michael Martens, vom mittleren der drei Mundsburg-Türme gestürzt ist. Der neue Erzähler Johann arbeitet genau, wie Michael in Teil eins, im Kino des Mundsburg Centers. Nebenbei versucht er sich, ebenfalls wie Michael, als Schriftsteller. Johann fällt nun zufällig das Notizbuch von Martens in die Hände. In diesem Notizbuch findet er den von Martens verfassten Text, der dem Leser als STILLMANNS MÜNZEN bekannt ist. Er schreibt das Notizheft in tagebuchähnlicher Form weiter und versucht herauszufinden, ob Martens Obsession für Stillmann, das Jahr 1973 und den Mundsburgtürmen aufgrund realer Geschehnisse vorhanden waren oder, ob es nur Wahnvorstellungen waren. Dazu nimmt er Kontakt mit Melena, die auch schon aus STILLMANNS MÜNZEN bekannt ist, und mit Michaels Mutter auf. Nun gerät Johann selbst immer mehr in den Strudel der mysteriösen Ereignisse um die Mundsburg-Türme. Gleichzeitig erhält er auch noch die weiteren Notizbücher Michaels und liest seine Geschichten, die wie aus STILLMANNS MÜNZEN bekannt, vom Tod diktiert sind.